Es gibt für jeden Schmutz und jeden Winkel im Haus das passende Reinigungsmittel. Mal mit Wasser-Abperl-Effekt, mal mit besonderer Duftnote, mal mit Kalkschutz, mal für strahlenden Glanz, mal gegen „99,9 Prozent aller Keime und Bakterien“. Dazu gesellen sich diverse Tüchlein aus Fleece, Mikrofaser, Baumwolle, Kokosfasern sowie Schwämme und Fensterleder. „Da herrscht schon eine gewissen Fülle“, sagt Dr. Franz Kern, Hausarzt in Gengenbach, mit einem Lächeln. Denn diesem Überfluss an Reinigungsutensilien steht der Facharzt für Allgemeinmedizin ein bisschen kritisch gegenüber. „Hygiene ist wichtig und sinnvoll, aber das Maß sollte stimmen“, sagt er.

So groß das Angebot an Reinigungsmitteln – auch für die Körperpflege – ist, so schludrig gehen viele Menschen das Thema Hygiene im Alltag an. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH in diesem Frühjahr: Demnach wasche sich jeder dritte Befragte seine Hände nicht vor jeder Mahlzeit. Ähnlich schlecht fallen die Werte aus, wenn danach gefragt wird, ob die Hände gewaschen werden, wenn man vom Arbeiten oder Einkaufen nach Hause kommt: Ein Drittel lässt die Hände ungewaschen. „Händewaschen ist der Risikokiller Nummer eins“, sagt Franz Kern.

Die Hände zu waschen, also Hände und Fingerzwischenräume mindestens 20 Sekunden mit Seife und Wasser zu reinigen, und anschließend sorgfältig abzutrocknen reiche im Alltag als Hygienemaßnahme aus, so die Empfehlung der AOK. Auch wenn manche Viren diese Prozedur überleben, sei eine Desinfektion nicht generell notwendig: „Für Berufstätige im medizinischen und pflegerischen Bereich als auch in der Pflege zu Hause gilt jedoch: Eine Desinfektion der Hände ist zwingend erforderlich.“ Besucher in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen sollten sich ebenfalls die Hände desinfizieren, heißt es weiter: „Damit schützen Sie sich selbst und andere vor Übertragung von Infektionen. Denn durch die Desinfektion sterben die Keime.“

 

Wann die Hände gewaschen werden sollten, ist für Kern ebenfalls keine Frage: „Immer, wenn es nötig scheint.“ Also nach dem Kontakt mit Tieren, nach dem Aufstehen – „Wissen Sie, wo sie sich nachts überall gekratzt oder angefasst haben?“ – vor und nach der Essenszubereitung sowie Mahlzeiten, nach dem Kontakt mit eigenen oder fremden Körperflüssigkeiten „und bei schmutzigen Händen sowieso“.

Sauber, nicht rein

Dr. Franz Kern erlebt als Hausarzt alle Facetten von Körperhygiene: „Es gibt Patienten, die duschen extra, bevor sie in die Praxis kommen; und dann gibt es Patienten, die gefühlt gar nicht duschen!“ Gerade im Sommer sei das manchmal schwierig.

Wann ein Mensch duscht hat – in der Regel – keinerlei Relevanz. Wer morgens duscht, um frisch in den Tag zu starten, ist nicht „sauberer“ als jemand, der abends duscht und so gereinigt ins Bett steigt. „Man sollte es bloß regelmäßig tun“, sagt Kern, der selber lieber abends duscht, um so den Tag abzubrausen. „Wer Sport getrieben oder generell geschwitzt hat, sollte natürlich danach auch unter die Dusche gehen!“

Tägliches Duschen oder Baden sei bei einem normalen Alltag jedoch nicht unbedingt notwendig. „Wer seine Körperhygiene allerdings vernachlässigt, riskiert Krankheiten und Infektionen.“ Gerade in Hautfalten wie unter der Brust oder in der Leiste, wo es warm und feucht zugeht, finden Bakterien und Pilze, wie die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) hervorragende Lebensbedingungen. „Manche Pilze wird man ein lebenlang nicht los“, weiß der Facharzt.

Apropos warm und feucht: Die größte Keimschleuder im Haushalt findet man meist nicht im Badezimmer, sondern in der Küche: Es ist der Spülschwamm! Feuchtigkeit und Reste von Lebensmitteln auf einem Schwamm sind das Beste, was einer Bakterie passieren kann. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Belastung auf einem mehrfach benutzten Spüllappen oder -schwamm mehr als 400mal höher ist als auf einer normalen Klobrille. „Den sollte man daher immer gut auswringen und gern häufiger erneuern.“

Luftig und trocken

Feuchtigkeit und Wärme bilden auch in der Wohnung eine wunderbare Grundlage für ungewünschte Untermieter – vor allem in Bad und Küche: Schimmel. Das beste Mittel dagegen ist ausgiebiges Lüften. Hygiene-Experten raten zudem dazu, Duschwände oder Fliesen anschließend mit einem Abzieher zu trocknen. „Wasser, das abgelaufen ist, kann schließlich nicht mehr zur Schimmelbildung beitragen“, fasst es der Hausarzt trocken zusammen.
Für die eigenen vier Wände gelte darüber hinaus das Gleiche wie bei der Körperhygiene: Ein gesundes Maß und gesunder Menschenverstand reichen im Normalfall. „Wer seine Straßenschuhe nicht in der Wohnung trägt, lässt das größte Risiko erst gar nicht rein.“

KINZIGTAL aktiv: das Kundenmagazin von Gesundes Kinzigtal

Hier gelangen Sie zu allen Ausgaben.

Mehr erfahren