Unser Organismus muss stark sein. Daher benötigt er Stärke. Klingt wie ein Scherz, ist es aber nicht. Stärke hat in diesem Fall  auch nichts mit Kraft zu tun, sondern mit einer organischen Verbindung, die Teil unserer Nahrung ist. Besonders hoch ist ihr Anteil in Kartoffeln, Getreide und Vollkornprodukten. Stärke gehört zu den sogenannten Polysacchariden (übersetzt „Mehrfachzucker“); auch Ballaststoffe wie Cellulose oder Pektin gehören in diese Rubrik. Gemeinsam mit den Monosacchariden (Einfachzucker) wie Glukose und den Disacchariden( Zweifachzucker) wie der normale Haushaltszucker bilden sie die große Gruppe der Kohlenhydrate.

Kohlenhydrate sind also nicht gleich Kohlenhydrate! Um etwa Stärke ins Blut aufnehmen zu können, muss diese zunächst in kleinere Bausteine gespalten werden. Das benötigt Zeit und kostet Energie. Der kleinste Baustein ist Glukose, den kennen wir als Traubenzucker. Dieser wird dann im Blut transportiert und gelangt mit Hilfe des Hormons Insulin in die Zellen, um ihnen Energie zu liefern.

Schlechtes Image

„Kohlenhydrate haben einen schlechten Ruf, gelten als Dickmacher, weil sowohl Poly- auch auch Disaccharide in einen Topf geworfen werden. Das weiß Tanja Schwarz. Doch die Ernährungsexpertin teilt diese Meinung nicht: „Kohlenhydrate machen nicht dick.“ Während ein Gramm Kohlenhydrat 4 Kilokalorien (kcal) enthält, sind es bei Fett 9 kcal. „Essen wir jedoch sehr ballaststoffarme und kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Weißbrot, Süßigkeiten oder ähnliches, müssen wir große Mengen zu uns nehmen, um wirklich satt zu werden. Leider halten diese Produkte dann auch nicht lange satt, so dass wir sehr schnell wieder Appetit bekommen.“

Die Ballaststoffe aus Vollkornnudeln etwa liegen länger im Magen. „Das ist gut, denn solange etwas im Magen liegt, haben wir keinen Hunger.“ Zumal noch mehr passiert, erläutert die Diätassistentin: „Wenn die Stärke aus den Vollkornnudeln in den Darm gelangen, hüllen die Ballaststoffe diese ein, ähnlich wie ein Bonbon in Papier gewickelt wird. Bevor die Starke überhaupt in Glukose aufgespalten werden kann, muss zunächst dieser Ballaststoff-Kokon geknackt werden. Der Energielieferant Traubenzucker gelangt also langsamer und auf diese Weise auch gleichmäßiger ins Blut.“

Unser Körper benötigt Protein als Baustoff für seine Zellen. Fette sind ebenfalls eine wichtige Bausubstanz und dienen zusätzlich dem Schutz unserer Organe etwa als Isoliermaterial oder Puffer. Damit beide ihre Funktion ausüben können, benötigen sie Energie. Und da kommen die Kohlenhydrate ins Spiel.

„Alles Leben hängt also direkt oder indirekt von den Kohlenhydraten ab“, beschreibt es Tanja Schwarz. Denn auch das Zentralnervensystem sowie das menschliche Gehirn beziehen ihre Energie allein aus den Kohlenhydraten.

Tanja Schwarz ist staatlich geprüfte Diätassistentin und unterstützt Gesundes Kinzigtal mit Ernährungs- und Kochkursen.

Text: Patrick Merck | Foto: Bastian Bammert

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