Spielen ist aktive Gesundheitsförderung

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Jeder Zug ist ein Gewinn

Der Würfel zeigt vier! Johannes zählt im Kopf, wo seine drei Spielfiguren jeweils landen würden, wenn sie vier Felder vorgehen. Dann entscheidet er sich. Das hat Folgen. Die gelbe Figur muss weichen: An ihrer Stelle steht jetzt der kleine rote Kegel ein bisschen näher am Ziel. Doch das ist nicht alles: Der eine Zug bei Mensch ärgere Dich nicht weckt gleich verschiedene Gefühle. Stolz und Freude sind es auf der einen Seite. Auf der anderen machen sich Enttäuschung und Neid breit. Zumindest für eine kurze Zeit. Denn wer sagt, dass die rote Figur ihren Weg zum Ziel ungeschlagen fortsetzt? Vielleicht bietet sich Gelb ja die Chance zur Revanche…

Spielen in Gesellschaft ist mehr als Zeitvertreib. Nicht nur Kinder erfahren beim Spielen grundlegende Emotionen und lernen im gleichen Atemzug, mit ihnen umzugehen. Auch Erwachsene sind nicht frei von Schadenfreude, Mitleid, Verwunderung oder Glücksgefühlen. Ganz nebenbei fördert das Spielen die Gesundheit, sagt Dr. med. Horst E. Michalek. Der Neurologe nennt vor allem das gemeinsame Erleben ein zentrales Element. „Spielen stärkt Beziehungen“, sagt der Facharzt und Psychotherapeut aus Hausach. Das gelte für Gruppen genauso wie bei Spielen für zwei wie Dame, Schach oder Mühle.

Wer zusammen spielt, tauscht sich aus, spricht – mal nur mit den Händen oder den Augenbrauen – oder schweigt bedeutungsvoll. Bei Stephanie Boschert, Pädagogin in der Erwachsenenbildung und Kooperationspartnerin von Gesundes Kinzigtal, gehören Spiele daher in den Lehrplan. „So wird tatsächlich spielerisch gelernt“, sagt die Mitarbeiterin des Bildungszentrums Haslach, die unter anderem auch als Lehrbeauftragte an der Universität Freiburg arbeitet. Vor allem werde nicht nur die Sprachkompetenz gefördert, sondern auch das gegenseitige Miteinander, sagt die Haslacherin. „Beim Spielen freut man sich ja nicht unbedingt nur für sich, sondern auch für die Mitspieler.“ Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und schafft Zufriedenheit. „Man lernt sich zudem auf eine besondere Art und Weise kennen“, ergänzt Stefan Feld, Direktor des Marta-Schanzenbach-Gymnasiums und Lehrer für Physik und Sport. In seiner Freizeit entwickelt der gebürtige Karlsruher Spiele.

Ablenkung vom Alltag

Ein Sprichwort aus den USA bringt es auf den Punkt: „A family that plays together, stays together.“ Eine Familie, die miteinander spielt, bleibt oder hält zusammen. Stephanie Boschert: „Bei vielen Spielen spielt das Alter keine Rolle, da haben von der sechsjährigen Enkelin bis zur Uroma alle ihren Spaß.“

Ein weiterer Pluspunkt fürs Spielen ist die damit verbundene Ablenkung. Dr. Michalek: „Es entspannt, weil es uns aus dem Alltag holt, weil andere Denkprozesse gefordert sind.“

Dieser Aussage stimmt auch Feld zu: „Beim Spielen stellen wir uns innerhalb vorgegebener Regeln – den Spielregeln – verschiedenen Herausforderungen.“ Damit verbunden ist zum einen dieser Abstand zum Alltag, zum anderen auch eine kognitive Leistung. „Es ist kein Nichtstun, sondern es passiert etwas im Kopf.“ Je nach Spielart muss geplant oder organisiert, eine Taktik entwickelt und eventuell wieder über Bord geworfen werden. Und das alles in Gesellschaft. „Gemeinsames Erleben tut uns gut. Gerade in Zeiten, in denen das Smartphone einen immer größeren Raum einnimmt“, sagt Spieleerfinder Stefan Feld.

Das ist auch die gängige Meinung unter Medizinern. Auf die Frage, was unsere Gesundheit erhält, fällt die Antwort in vielen Studien eindeutig aus: Gute Ernährung, viel Bewegung und alles, was mit Freude, Geselligkeit, Spiel zu tun hat.

Spielen ist kein Kinderkram

Schade findet Stefan Feld, dass Spielen fast immer mit Kindern in Verbindung gebracht wird. „Natürlich ist es wichtig, dass Kinder spielen, aber es ist doch auch für Erwachsene ein super Ausgleich“, sagt er. Dazu zählen für ihn die Klassiker wie Skat, Doppelkopf und andere Karten- oder Würfelspiele. Sein Genre sind allerdings eher sogenannte Kennerspiele, zu denen die „Siedler von Catan“, „Carcassonne“ und von ihm entwickelte Spiele wie „Jórvik“ oder „Brügge“ zählen.

Doch egal, welches Spiel gespielt wird: „Wichtig ist, dass es Spaß macht“, sagt Neurologe Horst Michalek. „Sonst wär‘s ja kein Spiel!“

 

Text & Fotos: Patrick Merck

Es gibt viel zu entdecken

Mensch ärgere Dich nicht ist ein Klassiker, aber es gibt viele unbekannte und unbekanntere Spiele, die in Spielwarenläden und Stadt- oder Gemeindebibliotheken darauf warten, gespielt zu werden. Eine klitzekleine Auswahl haben Freunde und das Team von Gesundes Kinzigtal mal zusammengestellt.

Speed

Schnell, schneller, Speed

Bei diesem Ablegespiel geht es ums Auge und um Schnelligkeit: Abgelegt werden darf auf die gleiche Farbe, Form sowie Anzahl abgebildeten Formen. Sind die eigenen drei Karten weg, muss vom eigenen Stapel nachgezogen
werden. Da kommen Auge, Hände und Kopf schon mal leicht durcheinander…
(Stephanie Boschert)
Speed (Adlung Spiele)
Für 2 Spieler, ab 8 Jahre

Piraten Pitt

Schatzsuche mit Tücken

Die lustigen Matrosen müssen Edelsteine einsammeln, in einer doppelten Schatzkiste verstecken und auf ihr Boot bringen. Aber Piraten Pitt ist auch unterwegs: Er fordert die Edelsteine ein, will in die Schatzkiste reingucken. Wer aufgepasst hat, trickst ihn allerdings aus und bringt seine Beute sicher an Bord.
(Johannes Merck)
Piraten Pitt (Haba)
Für 2 bis 4 Spieler, ab 6 Jahren

Uno

Erkennen und ablegen

Ein sehr einfaches, aber lustiges Kartenspiel ist Uno. Eine Karte kann nur auf eine Karte der gleichen Farbe oder der gleichen Zahl gelegt werden. Es gibt Aktionskarten mit besonderen Regeln. Die Runde gewinnt derjenige, welcher die letzte Karte abgelegt hat. Das Spannende an dem Spiel ist, dass es immer wieder eine unerwartete Wendung nimmt.
(Ursula Bischler)
Uno (Mattel)
Für 2 bis 10 Spieler, ab 4 Jahren

Camel Up

Aufs richtige Kamel setzen

Fünf Kamele sind im Rennen. Die Würfel entscheiden über Etappen- und Gesamtsieg. Die Mitspieler wetten, welches Kamel die Etappe für sich entscheidet, am Ende triumphiert oder letzter wird. Die gewählte Taktik geht allerdings nicht immer so auf, wie man sich das denkt. Ein schönes und schön gemachtes Familienspiel.
(Lucia Kiefer)
Camel Up (Pegasus)
Für 2 bis 8 Spieler, ab 8 Jahren

Dobble

Gutes Auge erforderlich

Stimmt ein Element auf der eigenen Karte mit einem auf der aufgedeckten Karte in der Mitte überein? Falls ja, heißt es blitzschnell zugreifen. Denn nur dann darf die Karte eingesackt werden und zählt als Punkt. Klingt einfach, aber sind es viele Elemente auf einer Karte, da kommt man auch mal durcheinander!
(Claudia Faist)
Dobble (Asmodee)
Für 2 bis 8 Spieler, ab 6 Jahren

Activity

Phantasie und Einsatz

Activity wird in Gruppen gespielt. Man muss verschiedene Begriffe zeichnen, erklären oder per Pantomime darstellen. Die Mitspieler müssen diese erraten, nur dann darf mit der Spielfigur weitergegangen werden. Es macht unheimlich viel Spaß, regt die Sinne an und sorgt immer wieder für viele Überraschungen.
(Janina Stunder)
Activity (Piatnik & Söhne)
Für 3 bis 16 Spieler, ab 12 Jahren

Kayanak

Ziehen, bohren, angeln

Mitten im Eismeer geht ein Innuit auf Beutezug. Ein Würfel entscheidet über Angeln oder Weiterziehen. Ob unter seiner Eisscholle große, kleine oder vielleicht gar keine Fische sind, weiß er erst, wenn das Loch aufgehackt und die magnetische Angel darin versenkt wurde. Ein schöner Spaß für die Familie.
(Patrick Merck)
Kayanak (Haba)
Für 2 bis 4 Spieler, ab 4 Jahren

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